TASTE THE WASTE
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Das verschmähte Herz

Jedes 3. Schlachttier in die Tonne - Lebensmittelverschwendung und überflüssiger Tierverbrauch
Nur der nicht durchgestrichene Teil des Tierkörpers wird bei uns gegessen!

Author of this article is Sommerregen
Published on 2012-12-05

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Das verschmähte Herz

Hier geht es nicht um eine tragische Liebesgeschichte, sondern um einen Lebensmittelskandal.  Eine Verschwendung von guten 63 Mio Herzen von Rindern und Schweinen, die verschmäht werden vom umschmeichelten Verbraucher. Das ist ungefähr ein Gewicht von ca. 39 Millionen kg Fleisch, welches grosszügig als ungeniessbar betrachtet werden.

Dazu kommen Körperteile wie Kronfleisch, Ochsenschwanz, Leber, Kopffleisch.

Diese Tierteile galten vor nicht allzulanger Zeit noch als Delikatessen. Um 1970 konnte man in München im Fleischerladen Euter, Kalbsgekröse, Milzwurst, Schweinefüsse und –ringelschwänze erwerben. In jedem Lokal galten Kalbsnierenbraten und Zunge in Madeira als die besseren Gerichte. Dazu standen Leber sauer und Lüngerl auf der Speisekarte.  Inzwischen gehören diese Gerichte sowie Ochsenmaulsalat, Blut/Leberwurst und Schwartemagen zu den „gefährdeten Arten“. Sie gehören zu den ca. 45 % Schlachtkörper, der „kommerziell nicht verwertbar“ ist.

Was soll daran zu beanstanden sein? Würden wir die von uns produzierten und getöteten Tiere aufessen (wie es schwärmerisch gerne in Berichten von Naturvölkern erzählt wird), könnte auf eines von drei Schlachttieren verzichtet werden. Verbrauch von Ressourcen wie Boden, Wasser, Energie würde reduziert.  Weniger Tiere müssten die Karriere von Ei/Geburt bis zur Theke in oft qualvoller Weise durchlaufen. Weniger Futter würde angebaut, oder Soja importiert, ursprüngliche Landschaft („Urwald“) in Südamerika z. B. geschont.

Was können die Gründe für diese seltsame ungute Entwicklung sein, die sich seit ca. 40 Jahren zunehmend beobachten lässt?

Der Verbraucher ist von Herkunft und Herstellung seiner tierischen Nahrungsmittel heutzutage weit entfernt. Dass es sich bei Schnitzel und Co. mal um lebende Tiere gehandelt hat, daran möchte er vielleicht nicht erinnert werden.  Wohl auch deshalb werden Tierteile bevorzugt, die möglichst wenig an einen Organismus, also an ein Lebewesen erinnern, also Schnitzel werden Herzen, Nieren, Füssen vorgezogen. Die allgemein verbreitete Abneigung gegen Massentierhaltung, der „Tierproduktion wegen Profit“, verstärkt noch die Abneigung gegenüber ungewöhnlichem,  tierähnlichem, sich nicht so adrett abstrakt präsentierenden Fleisch. Erhöhte, überhöhte Ansprüche stellen sich ein an die Art des Fleisches und seine Herstellung und verursachen – durch Selektion bei der Fleischwarenauswahl -  paradoxerweise die Erhöhung der Masse in der Massentierproduktion. Das gilt auch für die Wurst. Wurstherstellung hatte immer zwei Ziele: Haltbarmachung und geschmackliche Aufwertung der bei der Tierkörperzerteilung anfallenden Reste. Die Wurstsorten, wo das zweitgenannte Ziel am ehesten ersichtlich ist (Leber-  und Blutwurst,  Schwartemagen u.ä.), sind out. Bei denjenigen Wurstsorten übrigens, wo dies auch der Fall aber weniger offensichtlich ist (Fleischwurst, Wiener, Leberkäse), sieht der Verbraucher keine Probleme – die Ware sieht dem Muskelfleisch ähnlicher aus. Besteht zwar zu 1/3 aus Fett, zu 1/3 aus Wasser und dem restlichen Drittel aus sehnigen Fleischabschnitten – sieht aber adretter und abstrakter aus als Blutwurst. Dass man mich richtig versteht: Gott sei Dank sind auch in den Wiener Würstle Reste drin! Denn Vernunft und Moral gebieten, dass man sich aller Möglichkeiten bedient,  die getöteten Tiere zu einem möglichst grossen Teil für die menschliche Ernährung zu verwenden und keinen Überschuss zu produzieren.

Weitere Gründe für die Ablehnung:  Rückstände in Leber und Niere schrecken natürlich auch ab. Seltsamerweise verhindert der gleiche Tatbestand aber nicht den Verzehr von Fisch.  Fisch ist gesund, deshalb wird er trotzdem empfohlen. Das trifft für die Organe auch zu.  Pansen („Kuddeln“ ) (übrigens nicht belastet) hat als einzige Fleischart ein ausgeglichenes Calzium/Phosphor-Verhältnis Leber z. B. ist reich an Vit. A und D, allen B-Vitaminen, Folsäure, Vitamin K, sogar Vitamin C.  Von den Mineralstoffen ist insbesondere Eisen hervorzuheben. Also:  Täglich 20 g oder einmal pro Woche eine Portion Leber!  Wesentlich preiswerter, ist vorhanden und schont die Meere.

Und natürlich – wir können es uns ja leisten, Nahrungsmittel zu erzeugen und sie dann abzulehnen. Wir schlemmen im Wohlstand und können es uns leisten, von drei erzeugten Tieren eines in die Tonne zu befördern. Wollen wir uns das auch leisten?

Was geschieht nun mit den zunehmenden „kommerziell nicht verwertbaren“  Teilen der Tiere? Wir verschmähen sie, also werden sie verramscht. Knochen wird zu Dünger, das Blut läuft ins Abwasser, Organe und andere nicht im Trend liegende Fleischpartien landen teilweise im Tierfutter. Schweineohren und –Füße sind in China begehrt, Mega-Schlachtbetrieben mit grossen Margen gelingt es seit ein paar Jahren, diese Teile dorthin zu los zu werden.  Den kleineren regionalen Schlachtbetrieben ( vorzuziehen weil tiergerechter wegen kürzerer Transportwege) gelingt das nicht. Summa summarum landet das meiste „in der Tonne“, sprich in der Tierkörperverwertungsanstalt. Nach energieaufwändiger Sterilisation wird es hier verbrannt, zu Biogas und „Bio“diesel weiterverarbeitet oder kommt in die Zementfabrik.  Und „verbessert dort die Umweltbilanz“, weil diese Masse „ja sowieso anfällt“. Ein Wahnsinn.

Angemerkt: für die Erzeugung von einem Kilogramm Rindfleisch wurden ca. 15000 l Wasser und die 10-fache Energiemenge wie für ein kg Getreide verbraucht, hinsichtlich Klimaschädlichkeit das Äquivalent von 33 kg CO2 oder 250 km Autofahrt erreicht.

 Weil es so viel billiges Fleisch für Hund und Katz gibt, werden sie von trendy Tierhaltern komplett mit Fleisch ernährt. Obwohl beide Tierarten zur gesunden Ernährung  nur zwischen 14 und 25  % tierisches Eiweiss in der Nahrung benötigen. Während zum Glück einige Bürger auch der Umwelt zuliebe sich vegetarisch ernähren,  wird dann leider eines von drei Schlachttieren z. Teil verbrannt (s.o.), z.T. für Hund und Katz erzeugt.   Ist das vertretbar? Wollen wir das?  Schweine z.B. werden  von der Mutter im Alter von 2-3 Wochen getrennt (damit die wieder in „Produktion“ gehen kann), dann auf Spaltenboden aufgezogen, im Halbstarkenalter geschlachtet, nachdem sie sich noch stressbedingt gegenseitig die Schwänze  abgefressen haben ….   Mit zu vielen geschieht das unnötig,  meine ich, auch wenn die Lieblinge, die Pets, dann Fleisch im Überfluss zu fressen haben.  

Ich appelliere also, dass Herz und Co. wieder mehr geschätzt als verschmäht werden. Dass die mit viel Ressourcenverbrauch und ethisch fragwürdig aufgezogenen Schlachttiere weitmöglichst der menschlichen Nahrung dienen und dadurch weniger Tiere verbraucht werden müssen.  Verzehr und Genuss von Herz und Co. wird der Wohlstandsbürger sicher wieder lernen müssen.  Aber ich würde mir wünschen, dass durch Information etwas bewegt wird.

 


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